Interview mit Ulrike Wald
Was unterscheidet den Mikrokredit von einem klassischen Bankkredit?
Die Erste Bank unterstützt mit dem Mikrokreditprogramm gezielt Menschen, die sonst schwer Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten haben – etwa Gründer:innen, Kleinstunternehmen oder Personen mit wenig Sicherheiten. Ziel ist es, finanzielle Inklusion zu fördern und unternehmerische Ideen zu ermöglichen.
Die wichtigsten Merkmale des Mikrokredits:
- Kreditbetrag: Bis zu 15.000 € – ideal für kleinere Investitionen.
- Laufzeit: 5 Jahre, mit der Möglichkeit zur vorzeitigen Rückzahlung.
- Absicherung: Eine Ablebensversicherung wird kostenlos über die Wiener Städtische bereitgestellt.
- Rückzahlung: Monatliche Pauschalraten, die ersten 6 Monate sind rückzahlungsfrei.
- Antrag & Beratung: Über eine eigene Plattform mit Unterstützung bei Businessplan und Erstprüfung durch die ÖSB.
- Zusatzvorteil: Ein im 1. Jahr kostenloses Geschäftskonto
Im Vergleich dazu:
Ein klassischer Investitionskredit richtet sich an Unternehmen mit größerem Finanzierungsbedarf. Hier gibt es keine festen Betragsgrenzen – die Kreditvergabe hängt von der Bonität und dem Investitionsvorhaben ab. Die Rückzahlung erfolgt flexibel, entweder in Kapital- oder Pauschalraten.
Fazit:
Der Mikrokredit ist eine faire und unkomplizierte Lösung für alle, die eine gute Idee haben, aber wenig Sicherheiten – und ein wichtiger Schritt in Richtung einer inklusiven Wirtschaft.
Die Voraussetzungen, Konditionen, die Schritte zur Beantragung, etc. sind alle auf der Website beschrieben bzw. im Video erklärt -> https://dermikrokredit.at/. Hast du noch Empfehlungen, Tipps dazu?
Für das Hearing und die Kreditentscheidung sind folgende Punkte besonders relevant:
- Die Geschäftsidee ist klar und verständlich formuliert: Was wird angeboten? Wer sind die Kund:innen? Was macht das Angebot besonders?
- Der Businessplan enthält nachvollziehbare und realistische Angaben zu Einnahmen und Ausgaben.
- Antworten auf Fragen zur Zielgruppe, möglichen Risiken und einem alternativen Plan („Plan B“) sind vorbereitet.
Diese Aspekte tragen wesentlich dazu bei, die Geschäftsidee überzeugend zu präsentieren und die Erfolgschancen im Antragsprozess zu erhöhen.
Es gibt unterschiedliche Kooperationspartner*innen, was ist die Rolle / Aufgabe der ERSTEN Bank bzw. deine Aufgabe?
Das Mikrokreditprogramm der Erste Bank wird in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Investmentfonds und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales umgesetzt. Zusätzlich unterstützen erfahrene Partner wie die ÖSB (ÖSB Consulting GmbH), ASEP (Austrian Senior Experts Pool) und die Wiener Städtische Versicherung die Umsetzung.
Die Erste Bank übernimmt dabei die Prüfung der Antragsunterlagen, die von der ÖSB übermittelt werden, sowie die Einschätzung der Kreditwürdigkeit. Im Rahmen eines Hearings wird die Geschäftsidee gemeinsam mit Expert:innen aus dem Austrian Senior Expert Pool (ASEP) besprochen. Im Anschluss erfolgt die gemeinsame Kreditentscheidung.
Die Antragsteller:innen erhalten ein persönliches Feedback zur Geschäftsidee sowie eine Einschätzung durch die Expert:innen. Nach positiver Entscheidung werden die Unterlagen an eine der drei definierten Filialen weitergeleitet. Dort werden die Kreditvertrags- und Kontoeröffnungsunterlagen vorbereitet und zur Unterschrift bereitgestellt.
Welche zusätzliche Unterstützung bekommen (zukünftige) Unternehmer*innen?
Die Beratung durch die ÖSB-Gruppe ist kostenlos. Auch nach der Kreditvergabe stehen Mikrokreditkund:innen weiterhin Begleitung und Unterstützung zur Verfügung.
Die Senior Expert:innen aus dem Austrian Senior Expert Pool bringen ihre Erfahrung in verschiedenen Bereichen wie Marketing, Unternehmensführung oder Buchhaltung ein und unterstützen bei konkreten Fragestellungen.
Ich war lange Mitglied und Kapitalgeberin bei Oikokredit und habe dort gelernt, dass Mikrokreditnehmer*innen sehr verlässlich sind (bei Schwierigkeiten borgen sie sich das Geld von der Community aus) und es dadurch zu weniger Ausfällen kommt als bei Unternehmenskrediten. Ist das auch eure Erfahrung?
Die Erfahrung mit Oikocredit lässt sich in Teilen auch auf das Mikrokreditprogramm der Erste Bank übertragen. Mikrokreditnehmer:innen zeigen oft ein hohes Maß an Engagement und Verlässlichkeit. Viele bringen eine starke Motivation mit, ihre Geschäftsidee umzusetzen – und sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die enge Begleitung: Durch die Unterstützung von Beratungsstellen wie der ÖSB-Gruppe und den Senior Expert:innen entsteht ein stabiles Umfeld, das nicht nur bei der Gründung, sondern auch im laufenden Betrieb stärkt. Auch die Vernetzung mit anderen Gründer:innen und das Vertrauen in die Community spielen eine wichtige Rolle.
Das Social Banking-Team der Erste Bank arbeitet eng mit den Filialbetreuer:innen zusammen, um eine nachhaltige Betreuung sicherzustellen. Zusätzlich kann bei Bedarf auf ein breites Netzwerk zurückgegriffen werden. Sollten im Laufe der Kreditlaufzeit finanzielle Herausforderungen auftreten, besteht die Möglichkeit, gemeinsam mit den Kundenbetreuer:innen individuelle Lösungen zu finden – abgestimmt auf die persönliche Situation und die finanziellen Möglichkeiten der Mikrokreditnehmer:innen.
Insgesamt zeigt sich: Mikrokredite sind nicht nur eine finanzielle Starthilfe, sondern auch ein Instrument zur Förderung von Selbstständigkeit und Resilienz – mit erfreulich niedrigen Ausfallquoten.
Gibt es noch etwas das du zum Mikrokredit oder allgemein zum Themenbereich Finanzen und Finanzierung ergänzen möchtest?
Mikrokreditnehmer:innen bringen viel Engagement und Durchhaltevermögen mit – Eigenschaften, die sich positiv auf die Rückzahlung auswirken. Die enge Begleitung durch Beratungspartner und der Austausch mit anderen Gründer:innen schaffen zusätzlich ein unterstützendes Umfeld.
Darüber hinaus stärkt der Mikrokredit die lokale Wirtschaft, fördert Innovation und bietet Menschen, die aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit starten möchten, eine echte Chance. Als soziales Finanzierungsinstrument trägt er zur Chancengleichheit bei.
Wichtig ist dabei nicht nur die finanzielle Unterstützung, sondern auch der Zugang zu Wissen, Beratung und Netzwerken – damit aus einer guten Idee ein nachhaltiger Erfolg werden kann.
Vielen Dank für das Interview
Über Ulrike Wald
Ulrike Wald ist eine Social Bankerin der Erste Bank Österreich mit Herz und Haltung. Sie setzt sich dafür ein, dass Menschen mit erschwertem Zugang zum Finanzsystem – wie Gründer:innen, Migrant:innen oder soziale Unternehmen – faire Chancen erhalten. Dabei geht es ihr nicht nur um Finanzierung, sondern um Selbstwirksamkeit, Vertrauen und nachhaltige Entwicklung.
Mit Empathie, Fachwissen und einem starken Netzwerk begleitet sie Menschen auf ihrem Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit. Ihre Vision: Eine Wirtschaft, die niemanden ausschließt – und Banking, das verbindet statt bewertet.
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